Vertikaler Lauf!

Jonas Colting

Während meines letzten Trainingsaufenthalts in den USA, hatte ich die Chance, mit meinem Freund Gordo im Grand Canyon zu laufen. Vielleicht sollte man eher sagen, den Grand Canyon rauf und runter zu laufen. Für viele Berg- und Ultraläufer ist es eine enorme Leistung, den Lauf von oben hinab zum Fluss und wieder hinauf zu rennen. Die 30 km schrecken vielleicht nicht ab – die 1400 Höhenmeter schon eher!

Wir entscheiden uns für den Abstieg über den Kaibab Trail, dem steilsten Pfad. Unglaublich wie die Männer einst diese wahnsinnigen Wege angelegt haben. Um Erosion zu verhindern, haben sie damals viel Stein zur Stabilisierung verwendet. ‚Laufen’ ist hier vielleicht auch der falsche Begriff. Wir hüpften eher bergab. Meine Beine begannen bald zu zittern, weil der Bewegungsablauf so ungewohnt war. Man konnte es nicht wirklich ‚laufen lassen’ wie es bergab manchmal möglich ist – außer man möchte in einem Kaktus landen oder sich über ein Cliff verabschieden.
 Wir kamen nach 90 Minuten am Colorado River an, überquerten ein paar Brücken, bevor wir uns in der legendären Phantom Ranch mit wunderbarer Limonade erfrischten.

Ich bin normalerweise ein Typ, der immer zu viel einpackt. So hatte ich auch dieses Mal ein großes Pack mit allem möglichen dabei: Erste-Hilfe Set, Vaseline, Extra-Socken und sogar ein extra Paar Schuhe. Zu dieser vorsichtigen Packart haben mich ein paar Abenteuer gebracht, die mich mehr oder weniger traumatisiert haben!
 Ich hatte auch einiges an Flüssigkeit dabei. Und die brauchten wir dringend, als wir uns an den Anstieg des längeren Bright Angel Trails machten. Unsere Muskeln begannen zu schmerzen und wir schwitzten in den Stunden des Aufstieg literweise. Mein Puls lag bei ca. 140 und wir gewannen langsam an Höhe. Viele “normale” Wanderer waren von unserem Anblick ein wenig überrascht. Je weiter wir nach oben kamen, desto mehr Touristen gab es. Nach über vier Stunden harter Arbeit waren wir wieder oben. Was für ein vertikaler Trip!

Jonas Colting
Jonas Colting