
Das Konzept ist einfach zu verstehen: man versucht als Zweierteam so schnell wie möglich von dem einen Ende des Stockholmer Archipels zum anderen zu kommen. Das wären dann 20 Inseln mit viel Wasser dazwischen. Da muss man durch: zu Wasser wie zu Fuß. An diesem einen Tag schwimmt man ca. 10 km und läuft ungefähr 50 km. Und um das ganze noch spezieller zu machen, gibt es keine Wechselzone – d.h. man schwimmt in den Laufschuhen und läuft im Neoprenanzug. Denn wenn man ehrlicht ist: Wer hat schon 20 Paar Laufschuhe für die 20 Wechsel von Wasser zu Land? Wir sind ja nicht Imelda Marcos…
Die Idee zu diesem Rennen entstand – wie sollte es auch anders sein – unter Einfluss von viel Alkohol und einer Wette. Wer hat behauptet, dass sich Alkohol und Sport nicht vertragen? Die Initiatoren von „Island to Island“ benötigten zwei Tage für den ersten Wettkampf. Und in den ersten beiden Jahren schafften es nur wenige Teams, den Kurs zu beenden – in der Dunkelheit der Nacht. Außerdem liegt Hawaii nicht in Schweden… September. Schweden. Kalt. Deshalb entschloss man sich im dritten Jahr eine Radstrecke von cy. 15 km einzubauen, um die Zeit zu verkürzen. Da hätten wir einen Triathlon.
Ich ging mit meinem Lieblingstrainingspartner, Pasi Salonen, an den Start. Pasi war einst der Star der schwedischen Triathlonszene und hat einige nationale Titel in den 80ern gewonnen. Dann musste er sich auch einmal seiner Familie und seiner Arbeit widmen. Und dem Eisessen. Und Süßigkeiten.
Vor kurzem fing Pasi wieder an, ein wenig zu trainieren, verlor 10 Kilo und kaufte sich ein neues Rad. Dann entschloss er sich, an den schwedischen Ironman Meisterschaften in Kalmar teilzunehmen. Er brauchte 8.53 Stunden und wurde Fünfter. Nicht schlecht für ein Comeback und keine schlechte Ironman-Bestzeit für einen 43jährigen!
Für uns ist es der dritte Versuch, dieses harte Rennen zu knacken. Der Kurs hat uns zweimal zermalmt. Wir schworen uns vergangenes Jahr auf der Fähre zurück, dass wir so etwas niemals wieder machen würden – keine glitischigen Steine, eiskaltes Wasser und Dornenbüsche mehr! Dann änderten wir unsere Meinung: Zum einen hatten wir nichts besseres vor. Zum anderen wurden die Regeln geändert. Früher musste man beispielsweise eine Sicherheitsweste tragen – über dem Neo! So wurde das Schwimmen ein wenig, na ja, schwerer. Und das Laufen natürlich auch. Jetzt konnten wir minimalistisch losziehen. Das wenige Equipment, das wir dabei hatten, trugen wir in einer kleinen Hüfttasche.
Am Morgen des Rennens hatte ich ein wenig Sorgen, was meine Beine anbelangte. Ich war die Woche zuvor Fünfter bei den ITU Weltmeisterschaften (über die Langdistanz) geworden. Die finalen 30 km bin ich um mein Leben gerannt und war die Woche danach völlig am Ende. Aber ich dachte mir, dass das Schwimmen zwischen dem Laufen doch eine tolle Kalt-Wasser-Therapie sein müsste. Der erste Lauf ist eine kurze Aufwärm-Einheit für die längste Wasserdistanz des Tages. Das Wasser war kalt, aber nicht eiskalt. Noch nicht.
Danach kamen einige felsige, glitschige Inseln ohne Wegenetz oder Pfad. Man folgt einfach den Markierungen und versucht nicht zu stolpern. Einfacher gesagt als getan. Ich freute mich schon auf die Kilometre auf Wegen und Schotterstraßen. Auf der längsten Laufstrecke überholten wir die zwei führenden Teams Unsere Taktik war aufgegangen. Viele der gegnerischen Teams hatten einen Militärhintergrund. Das Stockholmer Archipel bietet unglaublich abwechslungsreiches Terrain. Einige der Strecken sind auf Trails, andere sogar auf Teer und bei manchen wirkt es eher wie eine Felskletterei.
Überraschenderweise regnete es an diesem Tag nicht und so trocknete auch der Stein recht schnell. Die Sache war nicht mehr eine solch rutschige Angelegenheit. Aber es zog ein starker Wind auf und im Wasser wurden wir deutlich langsamer. Meine Beine beschwerten sich zwar, aber noch nicht lautstark. Die schlimmste Schwimmeinheit erstreckt sich über 1400 m. Wir haben seit dem ersten Jahr einen Spitznamen für die Strecke, aber den darf man weder laut sagen noch niederschreiben. Wir mögen sie ganz einfach nicht!
Wir benötigten über eine halbe Stunde und ich musste ein paar Mal auf Pasi warten. Die freiwilligen Helfer sind fantastisch und man freut sich schon immer auf die Stationen im Nirgendwo, wo man verpflegt wird. An den vier größeren Stationen gab es sogar Gebäck! Her damit! Ich habe mich noch nie so auf eine Radstrecke gefreut. Nach acht Stunden sprang ich auf ein Touristenradl samt Korb. Irgendwie war es renntauglich, weil man darin so einiges an Nahrungsmitteln unterbringen kann. Endlich Asphalt. Aber was für ein Anblick! In unseren Neoprenanzügen hinterließen wir eine tropfnasse Spur (angereichert mit Krümeln von der Verpflegung).
Aber jeder Spaß hat mal ein Ende und wir mussten bald wieder vom Rad steigen. Aber wir lagen immer noch in Führung. Ich werde immer ein wenig paranoid, wenn ich über eine lange Strecke führe. Kommt da nicht gerade einer? Ist da nicht schon sein Atem in meinem Nacken? Wir wollten den Sieg! Den Triumph! Und die 1500 $. Kleine Inseln, kurze Schwimmdistanzen. Nach 10 Stunden kamen wir in Utö an, der letzten Insel. Wir nahmen uns auf den letzten Metern Zeit, um unseren Sieg auch auszukosten. Wir haben das Monster erlegt. Trotz all der Schmerzen – dieses Rennen ist wahrlich einzigartig vom Start bis zur Ziellinie!
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